Schon vor zwei Jahren habe ich hier von meinen neuen Fuchstrauben erzählt. Damals waren sie ganz neu in meinem Garten und ich war sehr gespannt, wie sie sich dort auf Dauer machen.

Um es vornweg zu nehmen: Ja, Fritillaria uva vulpis gedeiht vorzüglich und hat sich inzwischen scheinbar mit Brutzwiebeln und oder Samen vermehrt. Standen die schlanken Frühlingsblüher anfangs noch etwas steif und beengt zwischen Rosen und Stauden, so haben sie sich inzwischen selbst mehr Raum geschaffen und machten im Staudenbeet etwas Boden gut. Eine Lücke, die eine gerodete Rose hinterließ, reklamierten sie umgehend für sich und ich lasse sie vorerst gewähren.

Unauffällige Schönheiten mit besonderem Reiz

Verhüllte Knospe einer Fuchstraube

Verhüllte Knospe einer Fuchstraube

Die Fuchstraube verrät erst spät, was sie ist und welche Absicht sie hegt. Lange verstecken sich ihre schlanken Triebe zwischen anderem Frühlingsgrün. Wer nicht aufpasst, könnte das Grün anfangs vielleicht für Narzissenblätter halten. Doch sobald sich die Knospe elegant aus ihrem Schaft befreit, ist klar, wer da um ein kleines bisschen Aufmerksamkeit buhlt.
Zunächst sind die glockenförmigen kastanienbraunen Blüten eher rundlich, später strecken sie sich ohne jedoch jemals ihre Köpfchen zu heben. Sie nicken zur Erde, doch das tun sie, wie ich meine, durchaus anmutig und fast schon elegant.

Blumenbild Fuchstraube am Morgen

Knospe einer Fuchstraube am Morgen

Ihr fabelhafter Name

Bleibt die Frage, ob es genau diese Haltung ist, die der Fuchstraube ihren Namen gab? Denn in einer alten Fabel wird erzählt, dass der Fuchs sich verächtlich über Trauben, die er nicht erreicht, die Nase rümpft und hochmütig meint: „Sie sind mir noch nicht reif genug, ich mag keine sauren Trauben.“ und zurück in den Wald stolziert. Des Dichters Ansinnen, übrigens ein Grieche namens Äsop, ist: „Wer Dinge, die er nicht erreichen kann, mit Worten schlecht macht, soll sich an dieser Fabel ein Beispiel nehmen.“

Auch der deutsche Dichter Karl Wilhelm Ramler (1725 bis 1798) beschäftigte sich mit der alten griechischen Fabel und schrieb dazu dieses Gedicht:

Ein Fuchs, der auf die Beute ging,
fand einen Weinstock, der voll schwerer Trauben
an einer hohen Mauer hing.
Sie schienen ihm ein köstlich Ding,
allein beschwerlich abzuklauben.
Er schlich umher, den nächsten Zugang auszuspähn.
Umsonst! Kein Sprung war abzusehn.
Sich selbst nicht vor dem Trupp der Vögel zu beschämen,
der auf den Bäumen saß, kehrt er sich um und spricht
und zieht dabei verächtlich das Gesicht:
Was soll ich mir viel Mühe nehmen?
Sie sind ja herb und taugen nicht.

Vielleicht bedeutet der Trivialname der Fuchstraube aber auch: Fuchs, der du süße Weintrauben verschmähst, weil du sie nicht erreichen kannst, nimm‘ jetzt mit diesen bitteren, giftigen Fuchstrauben vorlieb? Man weiß ja nie, was der Volksmund sich so ausdenkt. Möglich wär’s oder was meinen Sie?

Blumenbild Fuchstraube

Blüte einer Fuchstraube