Die 1. Mahd ist ein Ereignis, das ich mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge entgegen sehe. Solange die große Blumenwiese hinter meinem Garten noch einen halben Meter und höher steht, ist sie ein Schutzwall. Von hinten gibt’s kein Durchkommen mehr, aber die Gewissheit, dass zwischen den hohen Gräsern allerlei Tiere ihr Zuhause haben. Fasane, Rebhühner und Hasen bleiben unsichtbar, erwachsene Rehe nicht, ihre brav wartenden Kitze schon.

Füchse höre ich abends quer übers Feld jaulen. Über dem Feld jagen Bussard, Falke und Uhu, aber auch Stare, Distelfinken, Amseln, Rotschwänzchen, Spechte, Bachstelzen und unzählige Spatzen. Einige Krähen sind leider auch dabei. Vögel finden in dem riesigen Feld ja immer was zu Fressen – ohne das Feld wäre ihre Not noch größer, als sie ohnehin schon für bedrohte Singvögel hierzulande ist.

So poetisch kann eine Wiese sein

Die 1. Mahd ist ein Wendepunkt im Sommer

Dann rückt der Bauer mit seinem Trecker an und erledigt die 1. Mahd. Dieses Jahr hatte er echtes Glück mit dem Wetter. Kein Unwetter hatte zuvor das Gras nieder gedrückt. Die Wildblumenwiese mit Margeriten, Glockenblumen, Süßgräsern und zahlreichen Wildkräutern steht noch immer so, wie sie sein soll. Auch ein paar harmlose Schauer konnten ihr nichts anhaben. Die Gräser standen einfach wieder auf.

An einem Samstagnachmittag fährt der Bauer mit dem Mähwerk mühelos übers große Feld. Danach rückt er mit Trecker und Kreisel an. Gefühlt wendet er stundenlang das welkende Heu in der heißen Sonne, so dass hinter ihm Staubwolken fliegen und ich sehr froh bin, dass meine Terrasse heute ausnahmsweise mal nicht in der Windschneiße liegt.

Zwei Tage später fährt der Bauer seine Heuernte ein und hinterm Garten kehrt zunächst wieder Ruhe ein. Bis dann die Spaziergänger, Gassigänger, Reiter und Kinder wieder die Wiese für sich entdecken.


Die 1. Mahd ist eingefahren

Die 1. Mahd ist eingefahren

Eigentlich eine schöne Sache, wären da nicht die Gassigänger, die glauben, ihre Hunde würden auch ohne Leine bei Fuß bleiben. Statt dessen laufen die Hunde überall hin – zu mir in den Garten und den verängstigten Rehen hinterher. Und selbstverständlich hat keiner dieser Hundehalter eine Tüte für die Hinterlassenschaften ihrer Hunde dabei. Der Bauer beklagt sich bitter über die verkackten Wege der Gassigeher und über Gras, das er deswegen seinen Kühen nicht mehr geben darf, weil sie sonst krank werden. Kein Hundhalter schert sich je darum.

Von der funkelnden Steppe zum nackten Feld.

Kirschbaum in der Wiese vor der ersten Mahd

Alter Kirschbaum in der großen Wildblumenwiese vor der 1. Mahd. Leider ist dieser wunderschöne Baum inzwischen Opfer seiner Besitzerin geworden und gefällt. Alle Welt will das Klima retten, nur für diese Person hatte “der Baum keinen Wert mehr”. Deswegen musste er weg.

Warum verneinen Katzen – und Hundehalter ihre Verantwortung?

Genauso wenig schert es Katzenhalter, wenn ihre Raubtiere mordend durch die Wiese und meinen Garten ziehen. Katzenhalter nennen es Natur, wenn eine Katze im Schnitt jährlich 200 Vögel und andere Kleintiere tötet – aber nicht frisst. Wohin das führt, habe ich in den vergangenen 20 Jahren erlebt: Wo früher sich Eidechsen in der Gartenmauer tummelten, sind heute keine mehr. Wo früher Bodenbrüter wie Bachstelzen waren und Lerchen jubilierend in den Himmel aufflogen, sind keine mehr. Ermordet von den “ach so lieben Miezen” … zu verantworten von ihren Besitzern.

Früher war hier nichts als Wiese um uns herum, heute eine Siedlung mit zig Katzen. Sie werden morgens in die Freiheit entlassen, damit sie daheim nichts anstellen, während ihre Herrchen und Frauchen arbeiten. Das Problem mit den Katzen sollen bitteschön andere haben. Wer die Kommentare zum “vogelfreundlichen Garten gestalten” im benachbarten Gartenblog liest, merkt schnell, wessen Geistes Haltung bei vielen Katzenliebhabern dahinter steckt. “Ihre Mieze bringt doch keine Vögel um, nicht doch, das passiert allerhöchstens zweimal im Jahr und dann wird sie geschimpft und tut das bestimmt nie wieder.” /Sarkamus-Modus aus.

Leben retten könnte so einfach sein.

  • Nehmen Sie Hunde IMMER an die Leine und Katzen am besten auch. Es wurden schon zu viele Rehe, Hasen und andere Tiere zu Tode gejagt – auch von angeblich folgsamen Hunden.
  • Bleiben Sie stets auf den fest angelegten Feld- Wald- und Wiesenwegen.
  • Laufen Sie bis Ende Oktober nicht über Wiesen und Felder, die Ihnen nicht gehören. So steht es schließlich auch im Gesetz.
  • Wenn Sie Ihrer Katze mehr Ausgang geben möchten, bauen Sie ihr ein ausbruchsicheres Gehege – im eigenen Garten. Zoos können das ja auch.

Die 1. Mahd macht Wiesenbewohner unversehens heimatlos.

Die 1. Mahd ist kaum vorbei, steht morgens um sechs Frau Fasan in meinem Garten und guckt so überrascht wie ich, als wir uns gegenseitig entdecken. Sie sucht einen neuen sicheren Platz, um sich zu verstecken, aber den kann ich ihr leider nicht bieten. Sie muss sich wohl oder übel rauf zum Waldrand und dort in die Brombeeren schlagen.

Die flinken Feldhasen sind auch wieder sichtbar für alle und sind doppelt und dreifach auf der Hut vor dem Fuchs. Doch ein leichtes Spiel hat Reineke Fuchs deswegen noch lange nicht. Auch er wird schon meilenweit zuvor gesehen – und sein heißeres Geheule gehört. Chancengleichheit für alle? Wir werden es sehen.

Zumindest die Vögel finden auf der gemähten Wiese jetzt noch eine Weile lange einen reich gedeckten Tisch mit den Samen der Wiesenkräuter – und Blumen und unzähligen Insekten, die dem Mähwerk entkamen – aber nicht ihrem Schicksal. Dafür sorgen nun Schwärme von Staren und Spatzen, die morgens auf der Wiese grasen wie die Kühe.

*Herr Fasan war im Frühjahr übrigens auch schon da und zog dann nach ein paar Tagen weiter – vermutlich zum Kirschbaum auf der großen Wildblumenwiese. Im Gartenblog gibt’s Fotos des stolzen Besuchers.

Weitere Landschaftsbilder rund um die Blumenwiese auf dem Lindelberg