Wohnen im Apple-Look

Neulich erzählte ich über das Buch „Wohnideen aus dem wahren Leben“. So inspirierend das Buch auch ist, so sehr gibt es mir auch Rätsel auf. Denn obwohl  sich 15 Wohnblogger mit Ideen, Texten und Fotos an diesem Projekt beteiligt haben, so wenig unterscheiden sich die gezeigten Stile von einander. Die vorgestellten Deko-Ideen und gestylten Räume der fünfzehn Akteure verschmelzen zu einer einzigen großen WG.

Eine Wohnung mit vielen Räumen und mit einem einzigen, all umfassenden Konzept. Es ist dasselbe Wohnkonzept, das scheinbar eine Vielzahl angesagter Design- Wohnblogs dominiert: viel Platz, viel Licht, helle Farben, vorwiegend weiße Wände, dazu sämtliche „Shades of Gray“. Ausnahmen bilden da nur architektonisch besondere Räume, beispielsweise eine Altbauwohnung mit enormer Raumhöhe, Stuck an der Wand und altem Parkett. Ist das der Lieblingsstil der heutigen Zeit? Apple fürs Wohnen: reduziert auf das Notwendigste und alles in Silbergrau, Weiß oder Schwarz?

Wo und wie wohnen Individualisten?

Wie leben junge Leute von heute? Studenten in ihrer ersten eigenen Bude? Junge Paare, die ganz anderes im Kopf haben als ihre Wohnung zu pimpen? Wie leben junge Familien, die auf wenig Raum sich selbst und ihren Kindern gerecht werden müssen? Alles IKEA, oder was? Findet das Einrichten der ersten eigenen Wohnung heutzutage nicht nur später statt, sondern haben die Bezieher dazu sogar schon ein richtiges Budget? Erkaufen sich Eltern den Auszug ihrer Sprösslinge aus dem Hotel Mama inzwischen mit üppigen Einkaufsgutscheinen vom Möbelhaus? Wieso verkünden  angesagte Wohnblogger unisono, im „wahren Leben“ sei Wohnen clean, luftig, naturnah und aufgeräumt.

Wie gestalten Kreative ihre eigenen vier Wände?

Früher war Weiß die langweiligste Farbe, die sich ein junger Mensch überhaupt vorstellen konnte. Weiße Wände waren nur was für Spießer und langweilige Raufasertapezierer. Heutzutage scheint Weiß das neue Bunt zu sein – und zwar unabhängig von Generationen. Dabei sind die Möglichkeiten, Wände individuell zu gestalten so riesig und vielseitig wie nie zuvor.

Das Internet ist voll mit kreativen Ideen für individuell gestaltete Wände. Auf paradisi oder livingathome finden sogar Leute mit zwei linken Händen verständliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur Wandgestaltung und Baumärkte liefern dazu passendes Material. Wir leben in einer wunderbar bunten und vielseitigen Welt – warum nur singen angeblich angesagte Wohnblogger unisono das Loblied auf „Shades of Grey“?