Sie kennen das: Das Wetter ist sonnig, die Blumen blühen, sie gehen auf Fotosafari quer durch den Garten und freuen sich schon auf die Ergebnisse. Zurück am PC stellen Sie entsetzt fest: Ihre Blumen sind kaum wiederzuerkennen. Wo ist nur die Schönheit der Rosen geblieben? Wieso blitzen überall weiße „ausgefressene“ Flecken zwischen den Blättern auf. Und warum wirken die Blüten so flach?  Was hat Ihr Auge gesehen und Ihre Kamera nicht? Oder ist sie etwa schuld an dem Desaster?

Taglilie in der hellen Nachmittagssonne fotografiert. Tiefe Schatten und hohe Kontraste schmäleren die Freude an diesem Blumenbild.

Taglilie in der hellen Nachmittagssonne fotografiert. Tiefe Schatten und hohe Kontraste schmäleren die Freude an diesem Blumenbild.

Die gute Nachricht vornweg: Ihre Kamera ist nicht schuld an falsch belichteten Bildern. Sie bzw. der Chip kann nicht anders. Er ist schlicht überfordert von den tiefen Schatten und überstrahlten Lichtreflexen. Je nachdem wohin Sie den Fokus setzen (hell oder dunkel) ist das Bild entweder über- oder unterbelichtet.

Der Profi behilft sich in diesen Fällen manchmal mit Belichtungsreihen und setzt sie hinterher zu einem HDRI zusammen. HDRI bedeutet High Dynamic Range Image und besagt nichts anderes als dass alle Bildinformationen von ganz hell bis ganz dunkel zum Tragen kommen. Bei Architekturfotos und Landschaften können HDR-Aufnahmen sehr reizvoll sein, nicht jedoch bei Blumenfotos, denn sie wirken schnell unnatürlich.

Zu viel Sonne ist schlecht für die Blumenfotografie

Was also können Sie tun gegen zu viel Sonne? Die Lösung ist banal einfach: Spannen Sie einen weißen Regenschirm auf. Kein Witz! Der weiße Regenschirm zwischen Sonnen und Blüte gehalten wirkt wie ein Diffusor. Er macht das Licht weich und mildert Schatten ab. Die Kamera findet wieder den richtigen Belichtungswert.

Blumenfotografie Weinrote Taglie

Taglilie bei greller Nachmittagssonne aber mit einem Diffusor fotografiert

Keinen weißen Schirm zur Hand? Machen Sie Ihren Diffusor einfach selbst!

Weißer Nylon, so wie Sie ihn vielleicht vom Drachenbau her kennen, ist ideal für selbst gemachte Diffusoren. Nehmen Sie ein rechteckiges Stück weißen Drachenstoff und steppen Sie an allen vier Seiten einen etwa 1 cm breiten Hohlsaum ab. Wichtig: Lassen Sie die Enden des Hohlsaums an allen vier Ecken unbedingt offen. Jetzt benötigen Sie nur noch zwei Bambusstäbe und fertig ist Ihr selbst gemachter Diffusor für den Garten. Ziehen Sie rechts und links je einen Bambusstab durch den Hohlsaum und stecken Sie die Stäbe so neben eine Pflanze in die Erde, dass diese leicht beschattet wird ohne dabei der Kamera im Bild zu stehen. Mit zwei Wäscheklammern regulieren sie dabei ganz einfach die Höhe.

Der Diffusor für Kreative

So aufgestellt mildert der Diffusor das harte Licht

Wolken sind natürliche Diffusoren

Basteln und nähen ist nicht Ihr Ding? Dann fotografieren Sie am besten frühmorgens im sanften Licht der Morgensonne. Im Sommer ist das allerdings vor sieben Uhr morgens. Oder Sie freuen sich in Zukunft über graue Tage. Denn eine leichte Wolkendecke ist auch nichts anderes als ein riesiger Diffusor, die sich zwischen Sonne und Garten legt.

 

Fotofreunde aufgepasst:

Beim nächsten Tutorial für Blumenfotografie erfahren Sie, warum Blumenfotografen am liebsten frühmorgens auf Fotosafari gehen. Und nein, das hat jetzt nichts mit dem Licht zu tun, sondern ... warten Sie’s ab.