Was, wenn Indoor-Gardening tatsächlich so einfach wäre, wie das neue Buch der Urban Jungle Boggers verspricht? Was, wenn Sukkulenten tatsächlich im hintersten Küchenregal oder in der obersten Schublade nicht eingehen würden, sondern statt dessen richtig aufleben? Im Buch entdecke ich wunderschöne, gesunde Pflanzen in stylischen Räumen, doch ich vermute, dass einige dieser prächtigen Solitärpflanzen in Wirklichkeit dort nur für den einen einzigen Augenblick vor der Kamera so gut aussehen. Oder täusche ich mich?

Wie und wo Zimmerpflanzen gut gedeihen.

Die Autoren und Leser mögen es mir verzeihen, wenn ich mit kritischen Anmerkungen beginne. Sie sind meiner Erfahrung als Pflanzenenthusiastin geschuldet und dem Wissen, dass es auch für Zimmerpflanzen ideale Standorte gibt und solche, die auf Dauer für sie eher ungeeignet sind. Igor Josifovic und Judith de Graaff wissen das auch und so finden sich diese wichtigen Angaben bei den Steckbriefen einiger ausgewählter Zimmerpflanzen. Was für ein Glück für den aufmerksamen Leser, der sich dann doch eher an den Pflegeanleitung der Pflanzen orientiert.

Irritierende Bildergeschichten

Ein tobendes Kind im Kinderzimmer und direkt daneben ein stacheliger Kaktus in Augenhöhe – des Kindes, wohlgemerkt. Der große Kaktus ist zwar zur Hälfte in einem pinken Drahtgestell, aber schon dieses Bild erzählt jeder Mutter eine schmerzhafte Geschichte. Es sind Bilder, wie diese, die mich irritieren und stören. Noch ein Beispiel: Kakteen in Tontöpfen ohne Untersetzer auf einem schwarzen Hochglanz-Sideboard. Das kann man machen, aber sicher nicht länger als das Shooting dauert, wenn einem das Sideboard wichtig ist.

Inspiration ist alles.

Immerhin: Die Autoren und ihre Urban Jungle Bloggers-Community zeigen, dass Zimmerpflanzen auch anders können als immer nur langweilig aufgereiht auf dem Fensterbrett zu stehen. Pflegeleichte, robuste Neuzüchtungen beliebter Zimmerpflanzenklassier brauchen schließlich kein temperiertes Blumenfenster, um zu gedeihen. Und Pflanzen, die immer schon nicht totzukriegen waren, wie Gummibaum und Schwiegermutterzunge, überleben auch unerfahrene Pflanzenfreunde von heute.

Die DIY-Anleitung für Pflanzenständer aus Rundhölzern und Kupferrohren liest sich, als könnte er auch mir gelingen. Gleiches gilt für die Blumenampeln aus Makramee. Selbst geknüpfte Ampeln aus den 1970er-Jahren erleben derzeit ein furioses Come-Back. Zeit, es wieder einmal auszuprobieren.

 

Pros und Contras

  • Gut gefallen haben mir die Steckbriefe der Pflanzen. Sie bringen alles Wichtige kurz auf den Punkt. Schade, dass die Autoren nicht mehr Pflanzen vorstellen. Wirklich schade.
  • Schön sind auch manche Styling-Tipps und Ideen, irgendwelche Gefäße, beispielsweise Geschirr oder alte Tontöpfe vom Flohmarkt, individuell zu gestalten, um sie anschließend als stylische Pflanzgefäße in Szene zu setzen. Von den weniger alltagstauglichen, weil viel zu kleinen Gefäßen, einmal abgesehen.
  • Fünf Pflanzen für Einsteiger vorzustellen sind ein guter Anfang. Pflanzen nach Standorten und Pflegeansprüchen zu sortieren und vorzustellen, wäre ein Pluspunkt für etwas erfahrenere Pflanzenliebhaber.
  • Die Geschichten und Fotos aus dem „wirklichen Leben“ der Urban Jungle Bloggers sind inspirierend, sollten aber nicht allzu sehr hinterfragt werden. Denn was, wenn Zimmerpflanzen tatsächlich so einfach gesund zu halten wären … dann könnte das wohl jeder. Und das große Ziel des Buches wäre damit auch erreicht: Junge Menschen anzumachen, Pflanzen in ihr tägliches Leben zu lassen.
  • Wesentlich zu kurz geraten ist allerdings der Service-Teil mit ausgewählten Adressen für Pflanzenfans in der ganzen Welt. Nur ein Onlineshop für ganz Deutschland und dazu vier lokale Adressen? Wie kann das sein?
Wohnen in Grün Dekorieren und Stylen mit Pflanzen

Igor Josifovic/Judith de Graaff

Wohnen in Grün

Dekorieren und Stylen mit Pflanzen

2016. 176 Seiten; ca 232 Fotos 21,5 x 28 cm. Gebunden

ISBN: 978-3-7667-2220-1 Direkt ansehen und bestellen im Verlag Callwey