Früher war ich felsenfest davon überzeugt: Landleben ist nichts für mich. Kühe, Weiden, das Allgäu und Gemüse aus Mutters Garten, das es frisch nur gab, wenn es gerade Saison hatte … all das würde ich schon bald für immer hinter mir lassen. Welt, ich komme. So dachte ich mit fünfzehn. Es dauerte keine zehn Jahre und das Landleben hatte mich zurück. Überzeugter denn je gab es auch bei mir nur noch Gemüse und Obst der Saison frisch aus dem Garten – oder eben nach Landfrauenart konserviert.
Als ich das Buch „Hinterm Stall die Blumen“ las, musste ich doch sehr schmunzeln. So unterschiedlich die vorgestellten Persönlichkeiten und Örtlichkeiten auch sind, so sehr gleichen sie sich. Denn egal welche deutschsprachige Landfrau die Autorin Britta Freith vorstellt: Die bewusste Entscheidung der Landfrauen so und nicht anders leben zu wollen, ist die Grundvoraussetzung für ihr persönliches Glück. Nicht „trotz der vielen Arbeit auf dem Hof“ sondern „weil Landleben so und nicht anders ist“.

Dank der Autorin bekommt nun der Leser ein großes Stück ab vom Glück auf dem Land zu leben. Die Reise beginnt im hohen Norden, wo Deutschland zeitweise dänisch war, geht weiter über Greetsiel an der Ostseeküste, wo jede Pflanze wochenlang gegen Wind, Kälte und schweren nassen Boden kämpfen muss. Die Bäuerinnen des Nordens haben ihre eigenen Strategien entwickelt, damit die Saat trotzdem aufgeht und ihre Gärten sommers üppige Ernten liefern. Und jede Menge Blumen.  Vom Heider Hof in Suroide bringt Britta ein Rezept für frische Erbsensuppe mit Grießklößchen mit. Bigi  Möhrle setzt den Löffelschmaus und alles andere fotografisch gekonnt in Szene, als wären wir mit auf dem Hof. Schon das Zuschauen macht Lust, raus in den Garten zu gehen und frische Zutaten für die Küche zu holen. In der Altmark lernen wir eine Bäuerin kennen, die Kräuter und Blütentee anbaut und erfolgreich vermarktet. Acht Tipps rund um guten Kräutertee gibt die Teekräuter-Expertin Britta mit auf den Weg in Richtung Süddeutschland.

In Weitersbach lernt Britta und wir mit ihr einen Mühlengarten, seine Gärtnerin, ihre Tochter und ein weiteres kleines Gartenglück kennen und dazu köstliches Mühlenbrot. Das Rezept steht ebenfalls im Buch und lacht mich gerade verführerisch an. Auf der Schwäbischen Alb sind kräuterkundige Gärtnerinnen am Werk, die ihr Wissen ebenfalls gerne mit der Autorin teilen: natürlich wirksame Salben gegen juckende Ekzeme und ähnliche Probleme. Über einen Abstecher im Hochschwarzwald kommt Britta Freith schließlich ins bayerische Aidling. Dort agiert eine begeisterte Bäuerin, die ihr Wissen in Gartenbauseminaren weitergibt und die Kunst, mit Pflanzen zu drucken für sich selbst entdeckt hat.

Rüber geht’s nach Österreich und in die Schweiz. Auch dort leben moderne Landfrauen, für die es nichts Schöneres gibt, als ihr Tagwerk rund um den Garten zu gestalten. Zwei Schweizer Rezepte für Sirup aus Goldmelisse und Erdbeeren wandern mit ins Buch. Brittas Gartenreise endet in Kärnten mit einem wunderbaren Rezept für Schnitten mit Ribiselschaum, gefolgt von zwei dicht bestückten Service-Seiten mit Adressen für Gartenfans.

Fazit: 5 von 5 Sterne.

Hinter Stall die Blumen ist ein Buch für Menschen, die Sehnsucht nach Landleben haben, die Gärten lieben und die Menschen kennenlernen möchten, die Natur, Garten und ihr Leben nicht voneinander trennen können.

Das Buch ist optisch sehr hübsch und hochwertig gestaltet. Darin zu blättern und nur die Bilder auf sich wirken zu lassen macht schon unglaublich viel Spaß. Die Rezepte lesen sich allesamt alltagstauglich und laden förmlich zum Auszuprobieren ein. Das Beste an allem sind jedoch die lebendig geschriebenen Geschichten der vorgestellten Landfrauen. Sie alle beweisen täglich aufs Neue: Landleben ist weder langweilig noch einsam, sondern macht glücklich, zufrieden & satt.

Hinterm Stall die Blumen. Landfrauen und ihre Gärten

Britta Freith
2013. 192 S., 225 Farbfotos, geb. mit SU.
ISBN 978-3-8001-7894-0. € 29,90