Eigentlich bin ich überhaupt kein Gräserfan, das ist wohl meiner Gräser-Allergie geschuldet und meiner Leidenschaft für Rosen. Ihnen ist der größte Teil meines Gartens gewidmet. Gras dazwischen zu pflanzen halte ich bislang für Platzverschwendung. Gräserfreunde mögen mir mein Unwissen bitte verzeihen. Ich gelobe Besserung. Warum verrate ich später.

Vor Bambus habe ich dagegen einen Heidenrespekt. Man liest, sieht und hört ja so viel von den wüchsigen Supergras mit dem Hang und der Kraft, den ganzen Garten zu besiedeln und den des Nachbarn gleich mit. Früher, im alten gemieteten Garten, stand ein namenloser Bambus deswegen in einem versenkten alten Aquarium am Rand der Ökopfütze. Dort erfüllte er durchaus seinen Zweck aber schön ist irgendwie anders.

Schwer begeistert war ich allerdings vom Riesenbambus der Nachbarin. Er gehörte zu einer horstbildenden und nicht wuchernden Sorte, dessen Horst allerdings jedes Jahr mächtiger wurde. Der Boschen war toll für die Jungs, die sich dort immer ihre Pfeile fürs Bogenschießen holten. Und als Gärtner konnte man jederzeit Bambusstangen als Stützen für andere Pflanzen schneiden. Sehr praktisch das. Und die Vögel liebten diesen gut zweieinhalb Meter hohen Riesenbambus. Im Frühling holten sie sich dort ihr Nistmaterial oder sie quartierten sich gleich ins Dickicht ein. Nachts schliefen sie darin und waren so gleichermaßen vor Kälte, Regen, Schnee und Katzen geschützt.

Seit gestern habe ich meine Meinung über Gräser und Bambus gründlich revidiert. Schuld daran ist dieses Buch: Gräser und Bambus im Garten von Gabriele Richter. Endlich erkenne ich, wie vielseitig Gräser tatsächlich sind. Sie begleiten „sogar“ meine geliebten Rosen und fügen sich toll in Stauden- und Präriebeet. Gerade jetzt im Spätsommer und Herbst, wo einige Sommerblumen langsam nachlassen, füllen Gräser Lücken aus mit filigranen Federspielen und leuchtenden Farben. Und im Winter geben Gräser dem Garten Struktur und bei Raureif und Frost wunderbare Fotomotive.

Die Autorin zeigt: Für jede Gartensituation gibt es das passende Gras. Und sogar auf der Terrasse und in Töpfen und Kübeln machen sie sich gut. Es kommt nur auf die richtige Sorte an und auf einen Behälter, der dazu passt.

Gleiches gilt auch für Bambus. Vom kleinsten Bodendeckerbambus für halbschattige und schattige Beete bis hin zum Riesenbambus stellt Gabriele Richter unzählige Sorten einzeln vor. Nennt ihre Vorzüge und zeigt sie im Umfeld. Dazu jede Menge Praxistipps: Wie man eine Rizomsperre richtig baut, was man über die Pflege der Gräser wissen muss, welche Sorten wohin passen und vieles mehr. Im Serviceteil: Zwei Seiten mit nützlichen Adressen und Bezugsquellen für Gräser und Bambus, aber auch für Stauden, Blumenzwiebel, Kübelpflanzen, Kräuter sowie Garten-Accessoires.

Fazit: Gräser und Bambus im Garten ist ein wunderbar inspirierendes Buch mit wunderschönen Bilder, vielen nützlichen Informationen und Gestaltungsideen. Es zeigt die Vielseitigkeit dieser (von mir sträflicher weise so vernachlässigten) Pflanzen und bringt einen auf viele Ideen, Gartengestaltung einmal ganz anders anzugehen.


 

Gräser und Bambus im Garten
Gabriele Richter

144 Seiten
Integralband
268 x 240 mm (LxB)
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-440-13374-3

 

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