Ich wurde gebeten, aus dem Nähkästchen einer Blumenfotografin zu plaudern. Nichts leichter als das, dachte ich und schrieb schon mal dieses kleine Tutorial für „Bitte mit Rahmen“.

Rückschauend stelle ich fest: im Fotokurses „Frühling im Blumenbild, Teil 1“ fehlen doch noch ein paar Details. Darum lege ich an dieser Stelle nach und setze voraus, dass Sie den ersten Teils schon kennen oder gerade erst gelesen haben.

Lassen Sie sich inspirieren.

Blumenfotografie hat etwas mit Magie zu tun und mit der Liebe zu schönen Farben und Formen. Manche mögen über die „Heile-Welt-Fotografie“ lästern. Ich halte dagegen: Nichts ist so wundervoll wie die Natur. Und nichts fasziniert so sehr wie die Botanik. Jede Blume, jedes Blatt, jede Blüte ist ein Kunstwerk für sich, das nur darauf wartet, entdeckt zu werden. Also begeben Sie sich so oft wie möglich auf Entdeckungsreise und erforschen Sie die Botanik, wo auch immer die Gelegenheit sich bietet. Im eigenen Garten, im botanischen Garten, am Urlaubsort, auf Balkonien, in der Blumenvase – aber auch bei anderen Naturfotografen.

Besuchen Sie Websites der Naturfotografen und tauchen Sie ein in diese vollkommen andere Welt. Erste Anlaufstellen liste ich unter „Fotofreunde & Co“. Mein Favorit: Das Forum für Naturfotografen und Naturfotos, wo viele echte Könner ihr Bestes zeigen. Wenn Sie auch über den Beetrand hinaus gucken wollen: VFXY. Eine international besetzte Fotocommunity, die täglich viele neue sehenswerte Bilder zeigt. Die Blumenbildergalerie Nature to Print ist selbstverständlich auch mit dabei und freut sich über jeden Besucher, der „voted“. Also Sternchen für die Qualität der gezeigten Blumenfotos verteilt.

Achten Sie auf Details

Nein, es ist wirklich nicht egal, ob eine Blüte so ‚rum oder anders ‚rum fotografiert wird. Betrachten Sie die Blume von allen Seiten und prüfen Sie, wo ein schöner Ausschnitt oder eine sehenswerte Ansicht sein könnte. Hat die Blüte interessant geformte Kelchblätter und gibt es eine markante Maserung? Sind Staubgefäße und Blütennabe erstaunlich bizarr oder neigt dazu Blütenblatt, Wellen zu schlagen? Ist die Textur der Blütenblätter samtig, rau, oder glatt? Wie sieht die Blüte von unten aus? Oder ist der Blütenansatz alleine schon ein Foto wert? Es gibt ja so viele Details, die Blüten außergewöhnlich machen. Ihre Aufgabe als angehender Blumenfotograf ist es, diese Details zu finden und ins beste Licht zu setzen.

Keine Angst vor misslungenen Aufnahmen

Sie fotografieren digital und Ihre Kamera zeigt Ihnen die fertigen Bilder bereits auf dem Display. Wunderbar. Egal ob Sie 5 oder 10 Bilder aufnehmen, es kostet nichts. Seien Sie also freizügig mit dem Speicherplatz und fotografieren Sie munter drauf los. Gesiebt wird später am großen Monitor des PCs.

Sie werden feststellen, dass Ihnen nicht jeden Tag gute Fotos gelingen. Das ist einfach so und ist bei anderen Fotografen auch nicht anders. Machen Sie das Beste d’raus und nutzen Sie den Tag für andere Dinge. Beispielsweise für das Sichten und Archivieren Ihrer Fotos.

Sparen Sie nicht an der falschen Stelle

Ja, es gibt echtes Low-Budget-Shooting. Im Internet kursieren einige recht gute Tutorials, wie Sie mit Baustrahlern statt Blitzgeräten Dinge ausreichend beleuchten. Oder wie Sie mit handwerklichem Geschick Aufnahmezelte oder Fotoboxen basteln. Alle diese Tipps und Tricks sollten Sie so nach und nach kennenlernen. So lässt sich rund ums Fotostudio viel Geld einsparen:

  • Baustrahler statt Blitz
  • Styropor, Handspiegel und Erste-Hilfe-Folie statt Fotoreflektor.
  • Hohlkehle aus Fotokarton und zwei Gummibändern.
  • Leimklemmen aus dem Baumarkt zum Halten von Dingen und Hintergründen.
  • Bauklötze, Knete, Blumendraht, leere Tesarollen etc. zum Fixieren und Halten von Dingen.

Wo Sie allerdings keine Kompromisse eingehen sollten:

  • Am Objektiv. Wenn Sie eine SLR besitzen, verwenden Sie je nach Einsatz ein anderes Objektiv. Das ist wie früher mit den Spiegelreflexkameras. Das heißt aber auch: Nicht jedes Objektiv ist für jeden Einsatz gleich gut geeignet. Und ein Blumenfotograf kommt an einem sehr guten und lichtstarken Makroobjektiv nicht herum. Sparen Sie lieber ein bisschen länger auf ein wirklich gutes Makro, als sich später über Vignetten oder chromatische Abirritation zu ärgern.
  • Am Bildschirm: Wenn Sie Ihre Fotos richtig beurteilen und bearbeiten möchten, kommen Sie an einem guten und optimal kalibrierten/eingestellten Bildschirm nicht herum. Die Ausgabe für eine geeignetes Kalibrationstool lässt sich eher verschmerzen, als ein farblich total verhunztes Blumenbild im XXL-Format.