Sobald die Forsythien blühen, zücken Rosengärtner landauf landab die Scheren: Die Rosen werden geschnitten und nach diesem langen harten Winter ist der gründliche Schnitt auch bitter nötig. Das ganze Totholz muss raus. Weg mit den schwarzen, erfrorenen Trieben. Weg auch mit den Trieben, die von Pilz und Krankheit gezeichnet sind. Weg sollten auch die querliegenden Triebe, die nach innen wachsen und andere Triebe kreuzen und dabei für "wunde Punkte" an der Rinde sorgen. Auch die ganz dünnen schwachen Triebe sollten entfernt werden.
Die restlichen Rosenschnittregeln hören sich je nach Rosenexperte und Rosensorte etwas anders an. Und weil ich hier keine falschen Wahrheiten verbreiten will, verweise ich lieber auf die kleine Rosenschnittkunde von Kordes. Da steht schon mal das Wichtigste drin und die Zeichnungen dazu erklären sich quasi von selbst. Fast noch einfacher zu verstehen, ist der Rosenschnitt a lá Charles Austin. Etwas anders lesen sich dagegen die Rosenschnittregeln von John Scarman an. Dieser englische Rosenzüchter auf deutschem Boden will die Form des Rosenbusches wahren und schneidet nur raus, was die Gesamtform stört. Heißt es. Je nachdem, ob Sie Pragmatiker sind oder Anhänger einer bestimmten Rosenlehre: Am Rosenschnitt im Frühling kommt niemand vorbei.
Ist der Rosenschnitt erst einmal geschafft, kommt der nächste Akt: Die erste Düngung. Und wieder zanken sich selbst ernannte Experten um den besten Rosendünger. Geizhälse nehmen schnöden Blaukorn und denken sich nichts dabei, andere nehmen den Rosendünger vom Discounter und fahren gewiss nicht schlecht damit. Die nächsten schwören auf getrockneten Rinderdung, Kompost und/oder Hornspäne. Fest steht: Rosen sind Starkzehrer und brauchen im Frühling eine ordentliche Gabe Dünger, der dann auch gleich etwas in den Boden eingeharkt wird. Je nachdem ob sie nur fünf, fünfzig, hunderfünfzig oder noch mehr Rosen Ihr Eigen nennen, dauert die erste Frühlingskur eine gewisse Zeit aber dann steht auch schon fest: Sie haben als Rosengärtner erst einmal alles getan, was gut für Ihre Rosen ist. Jetzt heißt es abwarten und den Rosen beim Wachsen zugucken. Denn sobald das Wetter schöner und wärmer wird, treiben die Rosen kräftig an.
Und zwischen den nackten, kurz geschorenen Rosen spielen nun die Frühlingsboten die Rolle ihres Lebens: Christrosen, Narzissen, die ersten botanischen Tulpen, Hyazinthen, Blausternchen, Milchsterne, Skillas und Traubenhyazinthen zeigen jetzt ihre hübschen Blüten und läuten einen wunderschönen Frühling ein. Jetzt da die Rosen noch ihre Kräfte sammeln, geht es in den Blumenbeeten kunterbunt und fröhlich zu. Das ist der großartige Auftakt zum neuen Gartenjahr. Ein Grund zum Feiern und ein guter Grund, täglich auf Entdeckungsreise durch den Garten zu gehen. Es lohnt sich allemal.
